Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Chancen waren größer als die Risiken

Zur Stadtratsentscheidung, die Bewerbung der Stadt Halle als Kulturhauptstadt Europas 2025 abzulehnen

Die Stadtratsfraktion DIE LINKE stand mit großer Mehrheit für eine Bewerbung Halles als Kulturhauptstadt Europas 2025. Entsprechend bedauern wir die gestrige Entscheidung des Stadtrats, die Bewerbung nicht in Angriff zu nehmen.

Nach einem nicht optimalen Start der Debatte um die Kulturhauptstadtbewerbung durch Oberbürgermeister Bernd Wiegand im vergangenen Sommer waren wir als Stadtratsfraktion bestrebt, uns an der Sache zu orientieren. Im Folgenden möchten wir nochmals unsere Gründe darlegen, die uns veranlassten, für die Bewerbung zu stimmen.

Das einstimmige Pro des vom Stadtrat eingesetzten Beirats zur Evaluierung einer Kulturhauptstadtbewerbung war für uns ein gewichtiges Votum, das nicht einfach vom Tisch zu wischen war. Sich mit der Konzeptidee „Halle/Saale – Vernetzte Stadt“ einer der großen Herausforderungen der Gesellschaft – der Digitalisierung – zu stellen, war für uns eine Idee mit großem Potential. Das entsprechende Positionspapier vertrat im Hinblick auf die Stadtgesellschaft einen sehr partizipativen Ansatz und fasste den Kulturbegriff entsprechend weit. Es wäre nicht darum gegangen, als Kulturhauptstadt ein einjähriges Kunstevent zu feiern, sondern die Stadt und ihre Gesellschaft nachhaltig und auf der Höhe der Zeit und ihrer Herausforderungen weiterzuentwickeln.

Dass sich der Beirat zudem dafür aussprach, unabhängig von einer Bewerbung, kulturpolitische Leitlinien auf der Grundlage des entworfenen Positionspapiers zu entwickeln, war nicht zuletzt ein schlagkräftiges Argument für uns. Eine Bewerbung hätte diesen Prozess positiv getragen und Anreize geschaffen, dass sich diesbezüglich wirklich etwas bewegt.

Der Erfolg einer Kulturhauptstadtbewerbung hätte sich demnach für uns nicht ausschließlich am Titel festgemacht. Erfolgversprechend war für uns bereits der Weg, den man mit einer Bewerbung hätte gehen können.

Ja, 1,2 Millionen Euro sind viel Geld und ja, an vielen Stellen im Kulturbereich fehlt Geld. Wir waren im Rahmen der gesamten Diskussion jedoch bestrebt, nicht ein Kulturprojekt gegen das andere auszuspielen sondern die Kulturhauptstadtbewerbung als einen ganzheitlichen Prozess, von dem viele Projekte, Vereine, Institutionen und Menschen in Halle profitiert hätten, zu denken. Aus unserer Sicht ist es falsch, nach der gestrigen Ablehnung der Bewerbung zu glauben, dass die 1,2 Millionen Euro nun anderweitig in die Kultur fließen.

Wir haben uns mit allen Argumenten gegen eine Bewerbung ernsthaft auseinandergesetzt. Dennoch hätten wir uns am Ende mehr Mut vom Stadtrat gewünscht, den Weg einer Bewerbung zu gehen. Es ging uns um eine Mobilisierung der Stadtgesellschaft, um Aufbruch statt Stillstand. Die Chancen, mit einer Bewerbung Halles als Kulturhauptstadt Europas 2025, diesen Aufbruch zu erreichen, waren aus unserer Sicht größer, als die Risiken. Diese Chancen sind nun leider vergeben.

 

Katja Müller, kulturpolitische Sprecherin