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Martha Brautzsch Gedenken

Martha Brautzsch wird als 2. Kind des Steinsetzers Karl Ganzer und seiner Frau Anna am 17. Juli 1907 geboren. Familie Ganzer ist gewerkschaftlich organisiert und somit wird Martha ein politisches Bewusstsein und Klassenhaltung mit auf ihren Lebensweg gegeben.

Martha erlebt als Kind den ersten Weltkrieg und die damit verbundenen Probleme: Verlust von Familienangehörigen und Freunden, Hunger, großes Leid, eine Wirtschaft die am Boden liegt.

In dieser Zeit verkörpern Frauen den Dienst am Vaterland mit unterschiedlichem Verständnis. Die Männer sind im Krieg und Frauen können somit entstandene Lücken ersetzen. Allerdings werden sie nach dem ersten Weltkrieg wieder aus dem Berufsleben herausgedrängt. Deutschland befand sich nach dem ersten Weltkrieg in einer Krisensituation: Die Last der Reparationszahlungen, die fehlende Akzeptanz der neuen Staatsform in der Bevölkerung und ein aufkeimender Extremismus stellen das Land und die Demokratie vor eine Zerrreißprobe. Diese Situation wird Martha dazu gebracht haben, 1924,  in einem politischen schwierigen Jahr mit 17 in die KPD einzutreten. In diesem Jahr finden alle Wahlen doppelt statt, da keine Regierungen gebildet werden konnten, sowohl im Preußischen Landtag, als auch im Reichstag. In diesem Jahr entscheidet Martha sich aktiv für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten.  Mit 19 Jahren arbeitete sie für die Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Deutschlands im Bezirk Halle-Merseburg. Sie gehörte zu den jungen Frauen, die an der Seite ihrer Freunde und Männer ihre ganze Kraft einsetzten eine Partei neuen Typus eine Partei marxistisch-lenistischen Typs aufzubauen.

1932 kandidierte sie auf der Liste für den Preußischen Landtag. Ungezählt sind die Versammlungen, Aufmärsche und Hausversammlungen auf denen Martha in einfachen Worten und ihrem eigenen schlichten Stil  und ohne Pathos gesprochen hat. Aber gerade dadurch wirkte sie mitreißend und begeisterte ihre Zuhörerschaft.

Sie heiratete Max Brautzsch, den sie in der Arbeiterjugendbewegung kennengelernt hatte und beide waren Mitglieder der revolutionären Kampfpartei der Arbeiterklasse.  Sie schlossen eine Gemeinschaft mit dem Ziel: alle Kraft für einen deutschen Arbeiter- und Bauernstaat einzusetzen, jede Stunde, jeden Tag dafür zu arbeiten und jedes Opfer dafür auf sich zu nehmen. So haben sie es auch gehalten.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges werden Frauen bewusst auf ihr „ureigenstes Gebiet“ auf Hausarbeit und  Mutterschaft und später auf Helferinnenfunktionen in der Kriegsindustrie bzw. im Krieg orientiert. Martha hat sich daran nicht orientiert, sie hat keinen Augenblick gezögert sich den illegal arbeitenden Gruppen der Partei anzuschließen und dafür Verhaftungen in Kauf zu nehmen.

Nach dem zweiten Weltkrieg bestand die Bevölkerung in Deutschland zu etwa 60% aus Frauen. Sie sahen zerstörten Wohnraum, unbrauchbare Betriebe, verwaiste Kinder, fehlende Nahrung und Bekleidung, unzulängliche Energieversorgung und politische Orientierungslosigkeit. Frauen übernahmen mit großer Selbstverständlichkeit politische Aufgaben und weitreichende Verantwortung. Allerdings hießen diese Aufgaben nicht Wahlsiege und Machtgewinn sondern: Versorgung mit sauberen Wasser, Wohnraum, Schule, Krankenversorgung und vieles mehr. Damit wollte man die „Normalität des Lebens“ wiederherstellen.

Als unumstritten galt, dass die Frauen auf nicht-traditionelle politische Erfordernisse mit nicht nicht-traditionellen politischen Strukturen reagierten. Deutschlandweit bildeten sich Frauenausschüsse mit unterschiedlichen aber jeweils überlebensnotwendigen Aufgaben und unterschiedlichster Zusammensetzung. Es vereinigten sich bürgerliche Frauen, Kommunistinnen, Humanistinnen oder auch Frauen die nicht politisch aktiv waren. Sie alle wussten, dass ihre weibliche Überlebensarbeit in dieser Zusammenbruchgesellschaft gebraucht wurde.

Und was lag für Martha Brautzsch näher, als die besondere Aufgabe sich an die Spitze der neu zu bildenden Organisationen der Frauen zu stellen. Sie war unterwegs mit ungebrochener Kraft und ihre politische Arbeit hatte große Erfolge.

Ich zitiere Otto Gotsche, der sich mit der Biographie von Martha Brautzsch beschäftigt hat: „Kein Chronist hat aufgezeichnet, in wieviel Versammlungen, Zusammenkünften und Veranstaltungen sie vom Frühjahr 1945 an gesprochen und argumentiert hat und zu überzeugen suchte, dass das höchste Gut des werktätigen Volkes die im Kampf geschmiedete Einheit ist. Bald gehörte sie zu den Menschen, deren Namen genannt wurden, wenn über die großen Fortschritte und die gewaltige Umwälzung jener Zeit gesprochen wird. 120.000 Mitglieder konnte die Kommunistische Partei Deutschlands in Sachsen-Anhalt zu Beginn des Jahres 1946 zählen. Und was Martha Brautzsch dabei geleistet hat, lässt sich in wenigen  knappen Zeilen ausdrücken: In den Dörfern und Städten Sachsen-Anhalts wurden in kaum acht Monaten rund 400 antifaschistische Frauenausschüsse unter Anleitung und auf Initiative der Genossin Martha Brautzsch gegründet. Welch eine Summe von Erfahrung, welche Einsatzbereitschaft und welchen Mut mag sich wohl hinter diesen nüchternen Zahlen verbergen. Tausende, Zehntausende Frauen haben die junge energiegeladene Frau sprechen hören und sind ihrem Ruf gefolgt.“

Martha Brautzsch hat sich bis zum Schluss ihres viel zu kurzen Lebens für eine gerechtere Gesellschaft eingesetzt—Wir würdigen heute ihren Mut und ihr Engagement. Sie war Vorbild in einer Zeit wo Frauen, Verantwortung übernehmen mussten. Und sie konnte es und sollte uns auch heute noch Vorbild sein für Überzeugungen einzustehen.