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Lebensleistung würdigen: Sigmund Jähn als Namenspatron

Artikel der Fraktion DIE LINKE für das Amtsblatt im Februar 2021. Thema: Würdigung der Lebensleistung Jähns ohne Schwarz-Weiß-Denken und alte Gräben.

Auch 30 Jahre nach der Wende gibt es weiterhin Gräben zwischen Ost und West. Das sieht man an der Bekanntheit Sigmund Jähns. In den neuen Bundesländern kennt eigentlich jeder den ersten Deutschen im All und seine Lebensgeschichte. Was im Vogtland Allgemeinbildung ist, ist im Schwarzwald allerdings eher Expertenwissen. In den alten Bundesländern konzentrierte man sich eben stärker auf Astro- und weniger auf Kosmonauten.Diese Diskrepanz zeigt nicht nur an, was es für unterschiedliche Erfahrungen gibt, sondern die unterschiedliche Bewertung der erinnerungswürdigen Leistungen. Viele Menschen im Osten Deutschlands haben berechtigterweise das Gefühl, dass ihre Lebensleistungen weniger anerkannt werden.Aber das Beispiel Sigmund Jähns zeigt uns noch mehr: Der Mensch Sigmund Jähn ist nicht ausschließlich der DDR-Flieger, auf die ihn seine Kritiker*innen reduzieren, sondern hat auchim vereinigten Deutschland daran mitgearbeitet, die Raumfahrt zusammenzuführen. Deshalb war er ein angesehenes Mitglied der internationalen Raumfahrtgemeinschaft, aktuelle Astronaut*innen und die ESA halten ihn in Ehren. Er steht mit einer Biografie für herausragende Leistungen, die nichts an Aktualität eingebüßt haben.Unsere Fraktion hat deshalb das Angebot gemacht, das neue Planetarium nach Sigmund Jähn zu benennen. Damit wollen wir seine Leistungen würdigen und deutlich machen, dass es an der Zeit ist, Ost-Biografien den angemessenen Platz einzuräumen. Dabei soll es nicht um Heldenverehrung oder Ignoranz gegenüber Fehlern in der Diktatur gehen. Das Angebot kann ausgeschlagen werden, wie es der Kulturausschuss des Stadtrates gemacht hat.Aber wir befürchten hier eine vergebene Chance, ein Gesamtlebenswerk nicht nur auf die Jahre in der DDR zu reduzieren. Eine vergebene Chance, anzuerkennen, dass es viele Menschen in der DDR gab, die einfach nur ihr Leben gelebt, Erinnerungen und Identifikationsfiguren haben und ihnen nach 30 Jahren nicht immer noch erklärt werden kann,dass das alles nichts wert ist, nur, weil sie in der DDR aufgewachsen sind. Wir halten daran fest, dass es wichtig und gut ist, das Planetarium nach Sigmund Jähn zu benennen und sein Lebenswerk zu würdigen – ohne alte Gräben und ohne Schwarz-Weiß-Denken.


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