Ein Stadtteil für Generationen
Als Erwin Bartsch 1974 nach Halle-Neustadt zog, war Hendrik Lange noch nicht geboren. Heute verbindet sie die ehemalige Chemiearbeiterstadt, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Als Menschen verschiedener Generationen leben beide aus Überzeugung und Leidenschaft in Halle-Neustadt. Mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Geschichte und die Entwicklung des Stadtteils setzen sich beide in der Hallenser Stadtpolitik für dessen Zukunft ein.
Hendrik Lange kam 1996 als Student nach Halle-Neustadt – einer Zeit, in der der Stadtteil stark mit dem seit der Wende anhaltenden Bevölkerungsschwund zu kämpfen hatte. Ein Zimmer im Studentenwohnheim in Scheibe A war sein erstes Domizil. Er erinnert sich an ein Gebäude in „nicht berauschendem Zustand“. Erwin Bartsch hingegen kennt die Perspektive derjenigen, die in den 70er Jahren eine Neubauwohnung bezogen haben: „Wir konnten ein Kinderzimmer einrichten und die gewünschten sozialen Standards erwerben."
Die Wende war der Bruch für Halle-Neustadt. Aus einer „Stadt der Jugend“ mit vielfältigen kulturellen Einrichtungen und einer gut entwickelten, modernen Infrastruktur wurde ein Stadtteil Halles mit einem völlig anderen Gesicht, so Erwin Bartsch. Zunehmend verarmte der Stadtteil. Arbeitslosigkeit prägte und prägt sein Image. Vor allem junge Leute verließen Halle-Neustadt auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Kitas, Schulen und Jugendklubs wurden geschlossen.
Aber es gibt eben Menschen wie Erwin Bartsch und Hendrik Lange. Der eine entschied sich bewusst, in dem Stadtteil zu bleiben, der andere, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Und beide sind sich einig, dass Halle-Neustadt trotz vorhandener Probleme eine neue Blüte erleben wird. Auf den dramatischen Einwohnerverlust hat man mit klugem Rückbau und der Schaffung neuer Freiflächen reagiert, sagt Hendrik Lange. Er liebt es, im Park zwischen Halle-Neustadt und Heide-Süd spazieren zu gehen, er schätzt die nach wie vor gute Infrastruktur mit Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen, bunter Alltagskultur und dem seiner Ansicht nach besten Asia-Restaurant in Halle. Erwin Bartsch kann da nur beipflichten. Auch die Straßenbahnanbindung Halle-Neustadts an die Altstadt und viele modernisierte Wohnungen waren positive Errungenschaften für den Stadtteil nach der Wende, sagt er.
Wofür sich beide in Zukunft einsetzen wollen, passt zu zwei Menschen unterschiedlicher Generationen, die am selben Ort leben. Halle-Neustadt soll Raum der Begegnung für Jung und Alt sein. Ein Stadtteil, der seine Wohn- und Umweltkultur weiter entwickelt, Ausbildungs- und Arbeitsplätze bietet, kurzum, ein lebenswerter Stadtteil, mit dem sich Menschen gerne identifizieren. Doch diese Entwicklung vollzieht sich nicht von alleine, die Zukunft Halle-Neustadts ist umstrittener als etwa die des Paulusviertels. Gerade deshalb sind zwei wie Erwin Bartsch und Hendrik Lange wichtig für Halle-Neustadt.
Wir bleiben dran
Eine positive Stadtteilentwicklung Halle-Neustadts umfasst für DIE LINKE viele Aspekte. Wichtig ist, dass die Wohnungsgenossenschaft GWG ein städtisches Unternehmen bleibt. Sie ist Garant dafür, dass Gewinne in Gebäudesubstanz und das Wohnumfeld investiert und nicht Renditebedürfnisse von Aktionären befriedigt werden. Mit Stadtratsinitiativen haben wir uns für eine Aufwertung des Stadtbildes durch Kunst im öffentlichen Raum und einen würdigen Standort der Skulptur „Lesender“ von Prof. Martin Wetzel eingesetzt. Am Ball bleiben wir auch beim Spielplatz „Drachennest“, dessen Sperrung nicht länger hinnehmbar ist. Wir wollen die Wiederbelebung von Brachflächen. Und nicht zuletzt braucht Halle-Neustadt wieder mehr Jugendfreizeiteinrichtungen.


